Dienstag, 12. Januar 2010

Pater Johannes Kirchner (48) ist verstorben

Kurz vor Mitternacht verstarb Pater Johannes nach schwerer Krankheit im Innsbrucker Landkrankenhaus. Nach seiner Priesterweihe am 8. September 1994 kam er als Seelsorger nach Russland und wirkte bis zu seinem Tod als Pfarrer in Alexejewka (Republik Baschkortostan). Gleichzeitig betreute er die Gläubigen in Oktjabrskij, Urussu und kleineren Ortschaften in einem Umkreis von über 200 km. Zeitweise gehörte auch die Millionenstadt Ufa ins Einzugsgebiet seiner Pfarreien. Er war als Diözesanpriester nach Russland gekommen, gehörte jedoch der geistlichen Gemeinsachaft „Pro Deo et Fratribus – Familie Mariens“ an. Im vergangenen Jahr bekam die Gemeinschaft vom Heiligen Stuhl das Recht, Priester zu inkardinieren und wird nun auch als „Werk Jesu Christi des Hohenpriesters“ bekannt werden. In Alexejewka leben seit Jahren stets einige Brüder und einige Schwestern der Gemeinschaft.

Franz Kirchner (Johannes ist sein Ordensname) wurde am 11. Mai 1961 in Kufstein (Österreich) geboren und wuchs im nahegelegenen Niederndorf auf. Zur Familie gehörten 10 Kinder. Die Eltern sind bereits verstorben, auch eins seiner Geschwister.

Pater Johannes war ein frommer, hilfs- und opferbereiter Priester mit strenger Selbstdisziplin. Es kommt nicht allzu oft vor, dass ausländische Priester mehr als 10 Jahre in Russland bleiben. Der Dienst ist aufreibend und sehr kräftezehrend. Pater Johannes war mehr als 15 Jahre bei uns und dachte nicht an Rückkehr ins Ausland. Man kann nicht sagen, dass er Kinder oder Alte besonders liebte. Er half allen, die ihn brauchten, gleichermaßen. Ihm verdankt Alexejewka seine Pfarrkirche, eine "Missionsstation" und ein schon fast fertiggestelltes Kinderhaus. Seine Ambitionen zum Wintersport konnte der Kufsteiner nie verbergen. Im Gegenteil, er brachte Kindern und Jugendlichen nicht nur das Beten bei, sondern eben auch, wie man Ski fährt u.v.m.

Pater Johannes war ein sehr guter Priester und für viele von uns Seelsorgern in Russland ein echter Freund. Auch ich persönlich danke dem Herrn für einen gleichaltrigen priesterlichen Freund, mit dem ich in meiner Muttersprache reden konnte. Wir wohnten fast 900 km voneinader entfernt und trafen uns in den vergangenen 15 Jahren höchstens 30 mal, (das letzte Mal vor drei Tagen). Am Tag meiner Bischofsweihe im Jahre 1998 war Pater Johannes einer der beiden Priester, die mich, rechts und links gehend, in die Liturgie begleiteten. Christus, dem Pater Johannes sein Leben längst in die Hände gelegt hatte, sei ihm nun ein barmherziger Richter und sein ewiger Lohn. Die Muttergottes, die Pater Johannes stets besonders verehrte, möge seine Gemeinden in Russland und seine acht Geschwister in Österreich auf mütterliche Weise trösten und an die Hand nehmen.

Ich danke allen, die in den vergangenen Tagen für Pater Johannes gebetet haben und die jetzt für ihn beten. Der Herr gebe unserem verstorbenen Pater (=Vater) und Bruder Johannes die Ewige Ruhe. Und das Ewige Licht leuchte ihm. Er lasse ihn ruhen in Frieden. Amen.
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ACHTUNG, HILDEN: Am Freitag (nachmittag), den 15.01.2010, werde ich zur Beerdigung von Pater Johannes in Kufstein sein. Darum wird der angekündigte Vortrag in der Stadtbücherei Hilden ausfallen. Ich bitte, das zu verzeihen. Möge "aufgeschoben" nicht "aufgehoben" sein!